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Darmkrebs-Früherkennung

Aufgabenstellung

Seit Oktober 2002 ist die Früherkennung-Koloskopie ergänzend zum Okkultbluttest Bestandteil des deutschen Krebsfrüherkennungsprogramms. Gesetzlich krankenversicherte Personen ab dem 56. Lebensjahr haben Anspruch auf eine Darmspiegelung zur Prävention von Darmkrebs.

Seit der Einführung dieser Präventionsmaßnahme ist das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) durch den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit der wissenschaftlichen Begleitevaluation beauftragt. Von zentralem Interesse sind dabei die Akzeptanz das Angebot in der anspruchsberechtigten Bevölkerung, die Untersuchungsqualität sowie die Untersuchungsbefunde im Hinblick auf die Vorverlegung des Diagnosezeitpunktes.

Ärzte dokumentieren anhand eines standardisierten Routinebogens auf elektronischem Weg Angaben zum Untersuchungsverlauf und -befunden. Die Daten werden zentral gesammelt und dem Zi zur Auswertung zur Verfügung gestellt. Neben der Routinedokumentation erfolgt jährlich eine umfangreiche Nacherhebung zu dokumentierten Fällen mit Karzinom- und Komplikationsangaben durch einen Fragebogenversand an die betreffenden Praxen. Ziel der zusätzlichen Befragung der Ärzte ist die Validierung der Routineangaben sowie die Erfassung weitergehender Informationen zum Schweregrad der Karzinomdiagnosen (Tumorklassifikation) bzw. der Komplikationsereignisse.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitevaluation werden jährlich in einem Bericht dargelegt und mit dem Wissenschaftlichen Beirat diskutiert. Insbesondere die Ergebnisse der Nacherhebung zu Karzinombefunden und Komplikationsereignissen, die zusätzliche Erkenntnisse über den Schweregrad, Interventionsbedarf und den weiteren Verlauf der Behandlung der betreffenden Patienten bieten, stellen einen zentralen Bestandteil der jährlichen Berichterstattung dar.

Mittlerweile liegen dem Zi von den 5,4 Mio. Früherkennungs-Koloskopien, die bis einschließlich 2013 vorgenommen wurden, knapp 5 Mio. standardisiert erhobene Befunde vor. Damit stellt diese Quelle die weltweit größte Datensammlung zur Beurteilung von Früherkennungs-Koloskopien dar.

Seit mittlerweile 10 Jahren erhalten alle beteiligten Praxen (ca. 1.800) ihre eigenen Ergebnisse in Form eines Feedback-Berichts zurück. Ziel ist es, den entsprechenden Einrichtungen nach dem Benchmark-Ansatz eine Übersicht über ihre Untersuchungsergebnisse im Vergleich mit anderen beteiligten Praxen zu ermöglichen und ggf. möglichen Ursachen für Übereinstimmungen mit bzw. für Abweichungen von den Verhältnissen an anderen Standorten gezielt nachzugehen. Darüber hinaus erhalten die Qualitätssicherungsabteilungen aller 17 Kassenärztlichen Vereinigungen einmal jährlich einen KV-spezifischen Feedback-Bericht mit der Möglichkeit eines Vergleichs mit dem Bundesdurchschnitt.

Neben den beschriebenen Aktivitäten hat das Zi mit Eigenmitteln ergänzend zwei Beobachtungsstudien zur Bearbeitung weitergehender Fragestellungen gefördert. Die Projektleitung liegt jeweils bei dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (Studienleiter Prof. Dr. H. Brenner). Anhand von Patientendaten aus dem Saarland erfolgen Sonderauswertungen zum einen zur Effektivität der Darmkrebsvorsorge (KolosSal-I) und zum anderen zur Auftretenshäufigkeit und Schweregradeinstufung von Komplikationen bei präventiv koloskopierten Personen (KolosSal-II).

KolosSal-Studie

Im Rahmen der Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg wurden auf Basis der Koloskopiedaten eine Schätzung der erwarteten Effekte des Screenings im Hinblick auf die Zahl vermiedener Fälle von Dickdarmkarzinomen vorgenommen. Demnach ist mit etwa 180.000 vermiedenen Karzinomfällen und mit 40.000 Dickdarmkarzinomen zu rechnen, die in einem frühen Stadium erkannt wurden. Die Ergebnisse wurden in der angesehenen Zeitschrift "Clinical Gastroeneterology and Hepatology" kürzlich publiziert (Publikation).

In einer weiteren Studie des DKFZ, die gemeinsam mit der pmv-Forschungsgruppe Köln durchgeführt wurde, untersuchte man in den Abrechnungsfällen von AOK Versicherten aus Hessen für den Zeitraum von 2001 bis 2008 das Auftreten von Komplikationen im Zeitfenster von 30 Tagen nach ambulant vorgenommenen Koloskopien.
Demnach kam es bei fünf von 10.000 Koloskopien es zu einer Blutung, die einen stationären Aufenthalt zur Folge hatte. Perforationen, die stationär behandlungspflichtig waren, traten bei einem pro 1.000 Untersuchten auf.
Die innerhalb des genannten engen Zeitfensters auftretenden Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie andere Komplikationen traten ähnlich häufig auf wie in einer strukturell ähnlichen Kontrollgruppe ohne Darmspiegelung (Ärztezeitung).

Die deutschen Erfahrungen mit der Koloskopie als Darmkrebspräventions-Angebot wurden gemeinsam mit externen Wissenschaftlern in internationalen Zeitschriften publiziert. Angaben dazu finden Sie in der Publikationsliste .

Die internationale Anerkennung der deutschen Erfahrungen schlägt sich unter anderem darin nieder, dass das Zi an der Entwicklung der europäischen Leitlinie zum Screening auf Darmkrebs beteiligt war, die kürzlich seitens der Europäischen Kommission verabschiedet wurde.

Das Zi wurde aufgrund seiner Bemühungen im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung der Früherkennungs-Koloskopie im Jahr 2006 mit dem FELIX-BURDA-Preis bedacht.

Ihr Ansprechpartner

Im Überblick

Ziel

Erfassung der Akzeptanz des Koloskopie-Screenings sowie seiner Wirksamkeit und möglicher Schäden infolge von Komplikationen

Laufzeit

Januar 2003 bis Dezember 2014

Qualitätssicherung

Rückmeldung mit Benchmarks an alle 2000 koloskopierenden Praxen in Deutschland und an 17 Kassenärztliche Vereinigungen